Mobilität VERSTEHEN

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Es ist sinnvoll, ein System so gut wie möglich zu verstehen, wenn dieses System gezielt verändert werden soll. Weil wir glauben, dass die Art und Weise, wie wir unsere Mobilität gestalten, ganz dringend einer grundlegenden Veränderung bedarf, beschäftigen wir uns intensiv damit, wie das System derzeit funktioniert, um dadurch die Hebel für eine möglichst wirkungsvolle Verbesserung identifizieren zu können.

Die Notwendigkeit einer Mobilitätswende

Mobilität hat für das Leben der Menschen eine ganz entscheidende Bedeutung. Wo sie nicht in ausreichend hoher Qualität zur Verfügung steht, wird auch die Teilhabe am sozialen Leben eingeschränkt. Die Erfindung des Automobils war ein extremer Fortschritt. Als Universalverkehrsmittel erlaubt es – extrem ineffizient zwar, aber höchst komfortabel – die Befriedigung fast aller Mobilitätsbedürfnisse. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass mittlerweile die gesamte Infrastruktur auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet ist. Der Siegeszug des Automobils in den vergangenen Jahrzehnten war so durchschlagend, dass ein Leben ohne eigenen Pkw außerhalb der größeren Städte fast gar nicht mehr vorstellbar erscheint.

Die beinahe ausschließliche Orientierung auf den privaten Pkw-Besitz kommt aber zu einem hohen Preis: so führt der Mangel an Alternativen einerseits zu einer eingeschränkten Mobilität für alle diejenigen, denen die Möglichkeit, einen Pkw zu benutzen, nicht offensteht. Andererseits ist der motorisierte Individualverkehr eine extrem ressourcenintensive Art der Fortbewegung und wir sind auf dem besten Weg, die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zu zerstören. Die Lärm- und Schadstoffbelastung, der wir schon heute jeden Tag ausgesetzt sind und der enorme Flächenbedarf, den die Individualfahrzeuge für sich beanspruchen, sind zu einer solchen Selbstverständlichkeit geworden, dass wir sie schon gar nicht mehr wahrnehmen.

Der Verkehr ist jener Sektor, der in Bezug auf den Klimaschutz den größten Nachholbedarf hat. Sein Anteil an den Gesamtemissionen nimmt stetig zu. Während in den anderen Sektoren (Industrie, Energiegewinnung, Haushalte, Landwirtschaft) in den letzten 15 Jahren deutliche Fortschritte gemacht wurden, werden im Verkehrsbereich nur sehr zögerlich wirkungsvolle Maßnahmen gesetzt. Dies trifft insbesondere auf den ländlichen Raum zu, wo der Motorisierungsgrad in den letzten Jahren immer noch weiter zugenommen hat.

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Der Sektor Verkehr ist für einen wachsenden Anteil der Gesamtemissionen verantwortlich. (Quelle: Umweltbundesamt)

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Während der Motorisierungsgrad in den Städten in den letzten Jahren abzunehmen begonnen hat, steigt er am Land weiter an.

Vom Universalverkehrsmittel zum Verbund der Alternativen

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Bisher gibt es keine Alternative, die für sich alleine eine ähnlich hohe Flexibilität wie das Automobil gewährleistet. Die Antwort kann daher nur in der intelligenten Kombination und nahtlosen Verknüpfung einer Vielzahl alternativer Mobilitätsangebote liegen, die alle ihre spezifischen Stärken haben:

Zu Fuss.svg Zu Fuß gehen und Fahrrad fahren sind Arten der Fortbewegung, die bei den Emissionen und den Kosten kaum zu schlagen sind. Sie tragen überdies zu unserem Wohlbefinden bei und halten uns fit und gesund. Allerdings machen sie bei schlechtem Wetter nicht allen Spaß, haben eine beschränkte Reichweite und nur eine begrenzte Transportkapazität.
Linienbus.svg Öffentliche Verkehrsmittel bieten alle Annehmlichkeiten des Gefahrenwerdens: die Fahrtzeit kann genutzt werden, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Allerdings gibt es am Land noch einen großen Aufholbedarf – die Attraktivität leidet oft unter stark eingeschränkten Betriebszeiten und langen Intervallen.
Ridesharing.svg Mitfahrgelegenheiten sind eine theoretisch sehr sinnvolle Möglichkeit für eine gemeinsame Ressourcennutzung. Die Herausforderung, die kritische Masse sowohl auf Nachfrage- wie auch auf Angebotsseite zu erreichen, ist aber insbesondere am Land schwer zu bewältigen. Neue Technologien und die Kombination mit anderen Angeboten als Fallback eröffnen hier neue Möglichkeiten.
CarSharing Verein.svg CarSharing ist ein sehr brauchbares komplementäres Angebot, weil es das Universalverkehrsmittel Pkw genau für jene seltenen Momente temporär zur Verfügung stellt, wo es (derzeit noch) keine brauchbare Alternative gibt: beispielsweise für Transporte oder Ausflüge an öffentlich schwer erreichbare Ziele. CarSharing ist also per se auf einen multimodalen Mobilitätsstil ausgelegt, also darauf, gemeinsam mit anderen Verkehrsmitteln genutzt zu werden.
Bedarfsverkehr.svg Bedarfsverkehre („Mikro-ÖV“) bedienen ebenso nur einen Teil des Spektrums der Mobilitätsbedürfnisse, der allerdings wiederum von keiner der anderen alternativen Mobilitätsformen in gleicher Weise abgedeckt werden kann. Als innerörtliche Verkehre bieten sie eine wetterunabhängige, zuverlässige und bequeme Lösung für das Problem der ersten und letzten Meile. Sie dienen als Zubringer zum öffentlichen Verkehr und zum CarSharing ebenso wie für Erledigungen innerhalb des Gemeindegebiets. Zudem entlasten sie von Hol- und Bringfahrten. Durch den Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge und die gemeinsame Beförderung durch intelligente Bündelung von Fahrten kommt es zu einem direkten ökologischen Effekt. Viel entscheidender ist aber der Lückenschluss: denn in Kombination mit den oben genannten Mobilitätsalternativen kann erst durch den Bedarfsverkehr eine annähernd vollständige Abdeckung aller Mobilitätsbedürfnisse garantiert werden.


Aktivitäten von UbiGo in diesem Bereich

Forschungsergebnisse
Wir bemühen uns, die Ergebnisse unserer Recherchen und Forschungen – so weit dies im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen möglich ist – auch öffentlich zugänglich zu machen. Einige Erkenntnisse über den aktuellen Stand bedarfsorientierter Verkehre in Österreich und international finden Sie auf unserer Plattform bedarfsverkehr.at.
Aufzeichnungs-App
Unsere Aufzeichnungs-App für Bedarfsverkehre ermöglicht eine detaillierten Einblick, wie bedarfsorientierte Angebote genutzt werden und welche Wirkung sie erzielen und hilft dabei, zu verstehen, wie sie weiter verbessert werden können.
Emissionsrechner
In Kooperation mit dem Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur haben wir einen Emissionsrechner entwickelt. Dieser erlaubt auf der Ebene von Gemeinden eine Prognose der ökologischen Wirkung eines veränderten Mobilitätsverhaltens der Bevölkerung.
Projekt „Shared Autonomy“
Im Projekt Shared Autonomy beschäftigen wir uns aktuell mit dem Potential selbstfahrender Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum.
Kooperation
Wir sind stets an kooperativen Forschungsprojekten interessiert, in denen es um ein vertieftes Verständnis im Zusammenhang mit alternativen Mobilitätsangeboten geht. Bitte kontaktieren Sie uns unter office@ubigo.at.